Ästhetische Konsumgütervielfalt: Design, Kunst, food, urban, audio, style
Dienstag, den 30. Januar 2007 15:36 Uhr

Design Top 10: embedded Videoplayer

Videoplayer BrandsFällt das eigentlich keinem auf? Sind denn alle blind? Und warum beschwert sich eigentlich keiner? Wir sind uns jedenfalls sicher: Die Beliebtheit von YouTube ist sicherlich nicht auf das gelungene Design ihres Videoplayers zurückführen. Es ist schlicht erbärmlich. Aber machen es andere wirklich besser? Wir wussten es nicht. Und da wir hier über Ästhetik bloggen, haben wir es untersucht: Was taugen die Player der Top-Anbieter? Inzwischen gibt es ja etliche Videoportale, die sich außerdem einen heftigen Wettbewerb liefern. Auch in puncti Gestaltung? Einen kurzen Moment Geduld, liebe Ästhetik-Freunde, eben ein paar Worte zu unseren Kriterien, Motiven und Vorlieben:
Inspiriert von einem Gespräch mit Tom beim Bloggertreffen in München verglichen wir Youtube, Google video, myvideo, sevenload, metacafe, clipfish, brightcove, Revver, soapbox und youporn hinsichtlich Design und Usability. Wir griffen also auf die bekannteren Anbieter zurück. Denn es nützt leider nichts, einen schicken Player zu haben, aber kaum Inhalte. Konzentriert haben wir uns, soweit vorhanden, jeweils auf die “embedded”-Variante der Player, die ins eigene Blog eingebunden werden kann. Was unseres Erachtens nach einen guten Player ausmacht, möchten wir Euch zuerst kurz erklären. Danach stellen wir dann unsere Design-Top10 vor.

Der perfekte Videoplayer ist intuitiv bedienbar (Usability) und zugleich visuell ansprechend (Design). In unterschiedlich gestaltete Websites sollte er sich möglichst neutral einbinden lassen. Er darf auf keinen Fall das Videovergnügen beeinträchtigen; tritt also (zumindest bei der Wiedergabe eines Videos) so in den Hintergrund, dass man ihn kaum noch bemerkt. Dennoch gönnen wir den Anbeitern einen gewissen Wiedererkennungswert (Branding) - schließlich tragen sie im Gegenzug enorme Traffic-Kosten.

Streng genommen müsste man bei dem Design zwischen dem Status “vor der Wiedergabe” und “während der Wiedergabe” unterscheiden. Aber wir wollen nicht kleinlich (oder die c’t) sein - für uns zählt deshalb der (zugegebenermaßen subjektive) Gesamteindruck. Am Anfang dachten wir: Bei den Unsummen an Kapital, das in einige Anbieter investiert wurde, sollte doch auch etwas für einen Designer übrig gewesen sein? Doch nun, die folgende Übersicht vor Augen, zweifeln wir ernsthaft daran. Dem ein oder anderen NNUU-Leser und Ästhetik-Freund rollen sich beim Betrachten wahrscheinlich ebenfalls die Fußnägel auf, oder?

Design Top10: Embedded Videoplayers

Die Begründung der Reihenfolge: selbst die #1, brightcove, kann uns nicht völlig überzeugen. Der Player nimmt zuviel Platz ein; das Branding ist dezent, besser wäre es aber gewesen, die Logo-Farben bei onMouseOut auszublenden. Insgesamt gefällt uns die harmonisch-zurückhaltende Erscheinung des Players am besten. Die lange Zeitleiste lässt eine hohe Genauigkeit beim Spulen in längeren Filmen zu.

Der Youporn-Player musste den ersten Platz nur einbüßen, da er keinerlei Branding vorsieht und ansonsten etwas sehr nach Apple Quicktime aussieht. Dass der Player im Übrigen keinen “send your friends”-Button besitzt, verwundert bei diesen Inhalten nicht sonderlich.

Metacafe hätte sich die Krone schnappen können. Der Player setzt sich gut von den Wettbewerbern ab, ohne dabei zu aufdringlich zu werden. Er patzt jedoch bei den Buttons “send” und “embed”. Das Branding unter der timeline wäre vollkommen ausreichend gewesen - der zusätzliche Text darunter wirkt mehr wie störende adwords.

Google Video ist - bei all seiner grauen Neutralität - irgendwo zwischen Windows 2000 und Playmobil zurück geblieben. Der Play-Button sieht noch passabel aus, der Rest zu klobig und stillos.

Der Player von Spiegel online ist natülich kein embeddable Player. Als Anschauungsobjekt taugt er aber allemal. Denn: angenommen er wäre in das eigene Blog einzubinden, würde ihn nur noch ein kleines Branding davon abhalten, in die Top 3 zu stürmen.

Revver kannten wir vor diesem Test noch nicht. Bei seinem Anblick fühlt man sich promt an seinen ersten tragbaren Ghettoblaster erinnert (die riesigen Teile, bei denen die 8 fetten Batterien nach 2 Stunden restlos leer waren). Zumindest bietet er dadurch ein paar optische Alleinstellungsmerkmale und ein aufgeräumtes Bedienfeld. Die runden “glossy-buttons” sind das Highlight des Designs dieses Players.

Bei youtube und sevenload merkt man ein kleines bißchen, dass die Programmierer hier selbst Hand angelegt haben. (Sorry, Tom.) Dieser Hauch von “Turbo Pascal” im Look des yt-Players erinnert einen wieder daran, dass es auch vor dem Jahr 2000 Computer gab. (Na gut, ansonsten ist er nicht sooo schlecht: neutral, grau, klein usw. aber bei den großen darf immer etwas kritischer sein.) Sevenload hat jedenfalls den schönsten “on-screen-play-button” (große, rote Kugel - gutes Branding; hier nicht zu sehen). Der Play selbst ist aber wiedermal ein Stück deutscher Ingenieurskunst. Ich fühle mich zurückversetzt in eine Zeit, in der man sich freute, dass es nach stundenlanger Arbeit mit Linux endlich gelungen war, die eigene mouse “mounten” zu können. Ganz nett an dem Player sind - neben den vielen Kalibrierungsmöglichkeiten - die verschiedenen Farbvarianten, die es erlauben, ihn seiner Umgebung farblich anzupassen.

Die soapbox könnte einige Plätze gutmachen, indem sie auf folgendes verzichtet: orange, lila, grün. In dieser Reihenfolge, in dieser Kombination.

Bei dem clipfish-Player fühlen sich unsere MS DOS Windows XP-Freunde bestimmt wie zu hause - aber dort gehört dieser Player auch hin. Eine penetrante Zumutung in blau-weiss. Soetwas zu branden würde ich mich auch nicht trauen.

Abschließend stellen wir fest: keiner der Player ist wirklich perfekt. Warum nur? So schwer kann das doch nicht sein. Nun hoffen wir, mit diesem Beitrag einen Denkanstoß zu geben, damit das Web noch schöner wird. Auch wir werden demnächst einen konstruktiven, nicht mehr nur kritischen, Beitrag dazu leisten. Der Wettbewerb ums Auge ist eröffnet!
Außerdem sind wir gespannt auf Eure Meinungen: Welchen Player, NNUU-Freunde, findet Ihr am besten? Vielleicht haben wir sogar einen richtig schönen übersehen?

Nachtrag: Die ersten haben schon reagiert und ihren Player erneuert. Das ist sicher kein Zufall!

Nachtrag 2: Einen schönen side-by-side-Vergleich der unterschiedlichen Player gibt es bei gugelproductions.de (Da wird auch schnell deutlich, dass wir den ein oder anderen Player übersehen haben.)

(hubs)

Kommentare

  1. markus

    Hallo zusammen,
    sehr anschaulich, eure Testreihe. Und auch dem Ranking kann ich mich größtenteils anschließen.

    Wisst ihr, ob es einen ähnlichen Test im Hinblick auf die eigentliche Film-Qualität der diversen Anbieter gibt? YouTube codiert ja beispielsweise ziemlich rabiat mit z.T. erheblichen Qualitätsverlsuten.

    Bei der Gelegenheit: ein großes Lob für euer Blog; macht Spaß zu lesen, weiter so.

    Grüße,
    markus

  2. hubs

    Hey Markus,
    schön, dass Du nnuu magst - feedback motiviert doch immer wieder.
    Von der Komprimierungsqualität her ist uns auch schon ein großer Unterschied aufgefallen. Zumindest gegenüber youtube bietet sevenload eine bessere Qualität, finde ich. Das hängt aber sicher auch von der Qualität der Uploads ab. Ein Ranking habe ich aber auch noch nicht dazu gefunden. Man müsste vielleicht mal ein Testvideo bei allen Anbietern hochladen und vergleichen…

    Gruss,
    Hubs

  3. markus

    Hi Hubs,
    ich hab letztens ein Video von brightcove gepostet, da war ich sehr angenehm überrascht von der technischen Qualität des eigentlichen Videos:
    http://www.chillerstadt.com/blog/files/multitouch.html
    (Und natürlich auch vom Player-Design. ;-)
    Hab mich aber noch nicht näher mit brightcove beschäftigt.

    Ja, so ein ein Vergleichtest wär ne feine Sache.

    Grüße,
    markus

  4. hubs

    Hi Markus, hat etwas gedauert, aber unter http://video.gugelproductions.de/player/ kann man sich so ziemlich alle Player im direkten Vergleich ansehen. Zumindest kann man sich dort den Player mit der (subjektiv) besten Qualität heraussuchen. Objektiv wäre wahrscheinlich eh schwierig geworden.
    Hubs

  5. bertram

    Hallo Hubs,

    der YouPorn-Player hat kein Branding, weil er nicht von YouPorn sondern von Jeroen Wijering ist, der ihn unter einer CC-Lizenz vertreibt. Er kann farblich angepasst werden und dürfte er am weitesten verbreitete “freie” Player sein.

    Gruß bertram

  6. hubs

    Danke für den Hinweis Bertram. Die Nummer 2 läuft damit also eigentlich auch “ausser Konkurrenz”. Das schreit mittlerweile nach einer kompletten Neuordnung unseres Rankings…

  7. bertram

    Naja nicht unbedingt. Der Player wird z.B. auch von Blip.TV eingesetzt, das heißt ja nur euer Ranking hat auf dem zweiten Platz mehrere Anbieter oder einen freien Designer (was ja auch nett ist).

  8. Stefan

    Hallo Hubs,

    wenn Ihr die Sache überarbeitet würde ich mir auch mal zeec ansehen. Habt Ihr die übersehen? Eher eine designorientierte Plattform mit sehr viel Handysupport. zeec ist definitiv mein heimlicher Design- aber auch Funktions-Favourit. Würde mal sagen: kommt auf der Nummer 4 hinter Sevenload in Deutschland.

    Gruss
    Stefan

  9. hubs

    Hi Stefan,
    zeec macht optisch wirklich einen guten Eindruck. Bin gespannt, ob zeec es bis zum “Tipping Point” schafft - noch haben die verhältnismäßig wenig content. Mal sehen, wann wir die Zeit für eine neue Rangliste finden…
    Aber Danke schon mal für den Tip!
    Hubs

  10. ThePimp DesignBlog » Blog Archive » Design Top 10: embedded Videoplayer

    […] Das Magazin nnuu.de hat aktuelle Videoplayer der Topanbiete Youtube, Google video, myvideo, sevenload, metacafe, clipfish, brightcove, Revver, soapbox und youporn hinsichtlich Design und Usability verglichen. Recht interessanter Beitrag! […]

  11. Videoportale und die Filmqualität.

    […] Das Extrem ist wahrscheinlich youtube. Die Bildqualität ist wirklich miserabel und das GUI eines der schlechteren, wenn man sich die Videoportale mal im Vergleich anschaut. Stellt sich die Frage, warum ausgerechnet youtube so erfolgreich ist, dass man nicht darum herum kommt, seinen Video-Content dort zu posten, wenn man eine breite Öffentlichkeit erreichen möchte. Selbst Apple entschied sich, die Settop-Box “Apple TV” ausgerechnet an youtube anzubinden. Wer sich mal an einem verregneten Nachmittag die myvideo-Show auf ProSieben angetan hat oder irgendeine TV-Sendung die mit “Die dümmsten …” beginnt weiß, dass Filme aus dem Internet auf einem Breitbildfernseher betrachtet keinen Spass machen. […]

Kommentar verfassen:



TopBlogs.de bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Blog Dich bekannt durch die Szene Kunst-Blog.com